Public Pre-History

Insze­nie­rung der Ur– und Früh­ge­schichte im deut­schen und bri­ti­schen Fern­se­hen seit den 1970er Jahren

Frank Bösch, Georg Koch

Mit der Ero­sion der Ideo­lo­gien und Zukunfts­vi­sio­nen seit Ende der 1970er Jahre nahm das öffent­li­che Inter­esse an den Anfän­gen der mensch­li­chen Geschichte zu, die viel­fach wie Gegen­wel­ten zur moder­nen Kos­um­ge­sell­schaft erschie­nen. Die Dis­ser­ta­tion unter­sucht anhand west­deut­scher und bri­ti­scher Geschichts­kon­struk­tio­nen im Fern­se­hen, wie die Ur– und Früh­ge­schichte in die­sen Jahr­zehn­ten insze­niert und in die jewei­lige Gegen­wart ein­ge­le­sen wurde. Damit wer­den vier Ziele ver­folgt: Ers­tens wird das Geschichts­den­ken in der jüngs­ten Zeit­ge­schichte jen­seits des häu­fig the­ma­ti­sier­ten Natio­nal­so­zia­lis­mus erfasst und ana­ly­siert, inwie­weit die „prä-nationale“ und „prä-politische“ Ur– und Früh­ge­schichte didak­tisch als Gegen­welt kon­stru­iert wurde. Zwei­tens wird die mediale Kon­struk­tion von Geschichte im Fern­se­hen unter­sucht, indem Doku­men­ta­tio­nen und soge­nannte ‚Doku-Soaps‘ der ARD, des ZDF und der BBC aus­ge­wer­tet wer­den. Dabei wer­den vor allem die jeweils ange­bo­te­nen Nar­ra­tive und Visua­li­sie­run­gen in Re-Enactments – Sze­nen, in wel­chen his­to­ri­sche Lebens­wel­ten nach­ge­stellt wer­den – genauer betrach­tet. Das For­schungs­vor­ha­ben stellt Ent­wick­lun­gen in der Dar­stel­lungs­weise her­aus und ana­ly­siert diese vor dem Hin­ter­grund pro­duk­ti­ons­be­din­gen­der Fak­to­ren. Drit­tens unter­sucht das Pro­jekt das Ver­hält­nis von Wis­sen­schaft und öffent­li­cher Geschichts­dar­stel­lung. Im Zen­trum ste­hen dabei Fra­gen nach dem Wan­del der Inten­tio­nen der Film­schaf­fen­den, dem Ein­fluss und der Wech­sel­wir­kung mit der aka­de­mi­schen For­schung und vor­aus­ge­hen­der Pro­duk­tio­nen sowie die Ent­wick­lun­gen inner­halb des Medi­ums. Dar­über hin­aus wird vier­tens in der Unter­su­chung danach gefragt, inwie­fern in his­to­ri­schen Doku­men­ta­tio­nen und ‚Doku-Soaps‘ his­to­ri­sches Ler­nen statt­fin­det. Die Pro­duk­tio­nen wer­den auf geschichts­di­dak­ti­sche Kon­zepte hin unter­sucht. Die Rezi­pie­ren­den wer­den dar­über hin­aus ebenso wie die an der Pro­duk­tion betei­lig­ten Film­schaf­fen­den, Dar­stel­len­den und For­schen­den auf ihre Geschicht­si­ma­gi­na­tio­nen, ihre Inten­tio­nen und den Wis­sens­er­werb hin betrachtet.